Quelle: rheinhessen-on-tour.de
Kaishū Sano und Mainz 05: Warum viele Fans weiter Aufklärung fordern
Ein Monat ist inzwischen vergangen, seit verschiedene Stellungnahmen zum Fall Kaishū Sano veröffentlicht wurden. Auch der Vorstand von Mainz 05 richtete sich mit einem kurzen Statement an die Öffentlichkeit. Der Inhalt blieb jedoch erwartungsgemäß vage und unzureichend. Der Verein erwähnt die betroffene Frau mit keinem Wort und erfüllt keine der konkret formulierten Forderungen. Stattdessen beruft sich Mainz 05 – anders als im Fall El Ghazi – auf das Prinzip der Unschuldsvermutung, als ginge es ausschließlich um eine strafrechtliche Bewertung durch die japanische Justiz. Doch selbst diese rechtliche Einordnung ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Dabei beginnt sexuelle Gewalt nicht erst dort, wo ein Gericht oder eine Staatsanwaltschaft sie als strafbar einstuft. Sexuelle Gewalt ist gesellschaftliche Realität. Sie betrifft Frauen und weiblich gelesene Personen jeden Tag – sei es durch eigene Erfahrungen oder durch die ständige Bedrohung, ihr ausgesetzt zu sein. Gleichzeitig ist sexuelle Gewalt auch Ausdruck einer von Männern geprägten Kultur, in der solche Taten alltäglich sind, relativiert oder verschwiegen werden. Die Perspektive von Frauen wird dabei immer wieder aus der Öffentlichkeit gedrängt und zur Privatsache erklärt. Genau in dieses Muster fügt sich auch Mainz 05 ein: intern werden Gespräche angeboten, öffentlich wird jedoch mit möglichen rechtlichen Konsequenzen gedroht. Deshalb bleibt die Forderung bestehen, den Fall Kaishū Sano nicht aus der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen und weiter konsequente Aufklärung einzufordern. Diese Aufklärung muss sich auf die bereits benannten Forderungen beziehen – etwa auf die Offenlegung des konkreten Tatvorwurfs sowie auf eine nachvollziehbare Erklärung der Einstellungsgründe. Vor allem aber darf die Debatte nicht auf rein juristische Fragen reduziert werden. Der 1. FSV Mainz 05 mag für sich bereits einen Schlussstrich gezogen haben. Viele Fans haben das nicht.